Grundschule am Wall: Therapiehund Frieda soll Schulhund in Freyenstein werden

Freyenstein 22. August 2026 –Ein blaues und ein braunes Auge, eine zweijährige Ausbildung und jede Menge Erfahrung im Umgang mit Kindern: Frieda ist der ungewöhnliche Neuzugang an der Grundschule am Wall in Freyenstein.

Ein Hund mit zwei Augenfarben soll Kindern beim Lernen helfen

Manuela Friedrich-Hock ist eine von drei neuen Lehrerinnen und Lehrern an der Grundschule am Wall in Freyenstein. Mitgebracht hat sie nicht nur viel Erfahrung aus 18 Jahren Schuldienst in Berlin, sondern auch Frieda – einen ausgebildeten Therapiehund, der künftig zum Schulalltag gehören soll.

22. August 2026: Es ist Einschulungstag an der Grundschule am Wall in Freyenstein. Für Manuela Friedrich-Hock ist es ein besonderer Tag – nicht nur, weil eine neue erste Klasse vor ihr steht. Die 50-Jährige selbst beginnt an diesem Tag ein neues Kapitel. Nach 18 Jahren an einer Grundschule in Berlin-Wedding ist Freyenstein ihr neuer Arbeitsplatz.

Dass sie mit ihrem Alter ganz selbstverständlich umgeht, passt zu ihr. „Ich bin 50 Jahre alt und ich bin stolz darauf“, sagt sie. Schließlich bringe das auch Erfahrung mit. Ihre Familie habe das 50. Lebensjahr gemeinsam mit ihr groß gefeiert. Frau Friedrich-Hock ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Und dann gibt es da noch ihr „letztes Kind“ – eines mit Fell.

Es heißt Frieda, ist vier Jahre alt und ein Mix aus Border Collie und Australian Shepherd. Und Frieda fällt auf. Wer ihr zum ersten Mal ins Gesicht schaut, entdeckt sofort ihre ungewöhnlichen Augen: eines ist blau, das andere braun. Gerade Kinder sind davon oft fasziniert.

Doch Frieda ist weit mehr als ein auffälliger Familienhund. Sie wurde über zwei Jahre zum Therapiehund ausgebildet. Vor Beginn der Ausbildung musste sie zunächst eine Eignungsprüfung bestehen. Anschließend folgten unter anderem Gehorsamstraining und weitere praktische Prüfungen. Ein wichtiger Teil der Ausbildung bestand außerdem aus praktischen Einsätzen mit unterschiedlichen Menschengruppen.

So verbrachte Frieda beispielsweise rund neun Monate in einem Kinderladen. Dort konnte sie zweimal pro Woche an den Nachmittagen erleben, wie Kinder auf einen Hund reagieren. Auch Kinder, die besonders hibbelig sind oder Schwierigkeiten haben, zur Ruhe zu kommen. Manuela Friedrich-Hock beobachtete, wie sich manche Kinder im Laufe der Zeit in Friedas Gegenwart beruhigten.

Auch den Kontakt zu älteren Menschen lernte Frieda kennen. Regelmäßig war sie in einem Altenheim im Einsatz. Dort zeigte sich für ihre Besitzerin, welche Wirkung die Begegnung mit einem Tier haben kann. Friedrich-Hock berichtet von älteren Menschen mit Arthrose, die beim Füttern mit kleinen Leckerlis ihre Hände und Finger wieder stärker bewegen konnten. „Das Tier hat dabei einen großen Einfluss“, sagt sie.

Genau diese Wirkung möchte Manuela Friedrich-Hock nun auch in der Schule nutzen. „Hunde sorgen für Stabilität. Sie bekommen Zugang zu Kindern, die sich sonst vielleicht nicht öffnen können. Hunde bekommen Zugang zur Seele des Kindes – und das finde ich schön“, sagt die Lehrerin. Auch Schulleiterin Heidi Mohrmann hatte bereits mit dem Gedanken an einen Schulhund gespielt. Mit der Einstellung von Manuela Friedrich-Hock und der dazugehörigen Frieda scheint sich dieser Wunsch nun gleich doppelt erfüllt zu haben.

Erst einmal muss Frieda die Schule kennenlernen

Allerdings soll Frieda nicht einfach von heute auf morgen zum Schulhund werden. Bereits zwei Wochen vor dem ersten Schultag durfte sie die neue Umgebung kennenlernen. Gemeinsam gingen Manuela und Frieda regelmäßig durch das Treppenhaus bis ins Klassenzimmer. Frieda durfte schnuppern, sich umsehen und alles in ihrem eigenen Tempo erkunden. Frau Friedrich-Hock nennt diese Phase „Schnupperzeit“.

Auch nach dem Schulstart soll es langsam weitergehen. Zunächst wird Frieda nur eine kurze Zeit im Klassenraum verbringen. Danach wird sie wieder abgeholt. Später wird die Aufenthaltsdauer schrittweise verlängert. Ziel ist, dass sich Frieda in Ruhe an das Gebäude, den Unterricht und vor allem an die Kinder gewöhnt. Doch nicht nur der Hund braucht diese Eingewöhnung. Auch die Kinder müssen erst lernen, wie man mit einem Hund in der Schule umgeht. „Das Hauptattribut heißt Ruhe“, sagt Friedrich-Hock. Frieda habe selbst lernen müssen, ruhig zu bleiben – nun müssten auch die Kinder lernen, ruhig mit ihr umzugehen.

Zunächst wird Frieda die Kinder der ersten Klasse kennenlernen. Später könnte sie mit der gesamten Schule in Kontakt kommen. Und sie ist überzeugt, dass Frieda irgendwann sogar die Namen der Kinder kennen wird. Dann wird eine einfache Aufforderung reichen: „Geh zu Charlotte.“ Und Frieda wüsste, wer gemeint ist.

Frieda entscheidet mit

Ob Frieda tatsächlich dauerhaft Schulhund wird, ist allerdings noch nicht entschieden. Denn das Wohl des Tieres steht für Manuela Friedrich-Hock an erster Stelle. Sie will genau beobachten, wie Frieda auf den Schulalltag reagiert, ob sie Freude daran hat und wann es ihr zu viel wird. „Frieda zeigt, wenn es ihr zu viel wird. Und das sehe ich schnell“, sagt ihre Besitzerin. Deshalb soll es auch klare Pausen und begrenzte Einsatzzeiten geben. Der Hund soll nicht einfach möglichst viel „arbeiten“, sondern nur dann zum Einsatz kommen, wenn es für ihn und die Kinder passt.

Wenn alles gut läuft, könnte aus dem zunächst vorsichtigen Kennenlernen eine langfristige Zusammenarbeit entstehen. Klassenleiterin Friedrich-Hock denkt dabei bereits weiter: an eine Arbeitsgemeinschaft rund um das Thema Hund. Noch ist das Zukunftsmusik. Jetzt beginnt erst einmal die Eingewöhnung. Für die neue Lehrerin, ihre erste Klasse und für Frieda, die künftig mit ihrem blauen und ihrem braunen Auge vielleicht zu einem ganz besonderen Mitglied der Schulgemeinschaft werden könnte.

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