Startseite » JugendFEIER Oberhavel: Beatboxer „Brozzy“ begeistert bei den Jugendfeiern mit Rhythmus im Blut
03.August 2026 – Seit 2021 gehört Beatboxer Nils „Brozzy“ Brzoska zum festen Künstlerteam der Humanistischen JugendFeier Oberhavel. Mit Mund, Stimme und jeder Menge Rhythmus schafft er es, Jugendliche zu begeistern und Eltern zu überraschen. Seine Auftritte in Hennigsdorf, Löwenberg und Zehdenick sind längst ein fester Bestandteil der Feierstunden.
„Mit dem Namen musste ich ja Beatboxer werden – den kann ja keiner aussprechen“, sagt Nils Brzoska und lacht. Tatsächlich wurde aus dem Nachnamen schnell der Künstlername „Brozzy“, unter dem ihn inzwischen viele Jugendliche und Veranstalter kennen.
Der 1993 geborene Künstler gehört seit 2021 zum festen Team der Humanistischen JugendFeier Oberhavel. Über einen gemeinsamen Bekannten kam der Kontakt zustande: Der Beatboxer Mando, selbst Künstler, empfahl ihn für das Programm der Jugendfeiern. Seitdem ist Brozzy Jahr für Jahr in Hennigsdorf, Löwenberg und Zehdenick auf der Bühne zu erleben.
Die Jugendfeiern der Humanistischen JugendFeier Oberhavel werden von der Jugend- und Sozialwerk gemeinnützige GmbH organisiert und begleitet. Für Brozzy unterscheiden sich diese Auftritte deutlich von klassischen Konzerten. „Früher war es oft: auf die Bühne gehen, Beatboxen und wieder runter“, erzählt er. Bei den Jugendfeiern sei das anders. Hier gehe es darum, die Jugendlichen mitzunehmen, zu erklären, wie Beatboxing funktioniert, Techniken vorzuführen und gleichzeitig die eigene Kunst zu präsentieren, wie ein Moderator. Deshalb entwickelt er sein Programm jedes Jahr weiter. Einige Elemente haben sich bewährt und gehören inzwischen fest dazu. Gleichzeitig kommen regelmäßig neue Instrumente, Klänge und Ideen hinzu, die er eigens für die Feiern einstudiert.
Die Jugendfeiersaison ist für Brozzy jedes Jahr etwas Besonderes. Nach inzwischen sechs gemeinsamen Jahren kennt er viele der Mitwirkenden gut. „Man freut sich jedes Jahr darauf, die Leute wiederzusehen“, beschreibt er die Atmosphäre. Über die Jahre sei es ein eingespieltes Team geworden, das gemeinsam die Feierstunden gestaltet. Besonders schätzt er den direkten Kontakt zu den Jugendlichen. Immer wieder kommen Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach den Veranstaltungen auf ihn zu und möchten wissen, wie Beatboxing funktioniert und wie man selbst damit anfangen kann.
Beeindruckt ist Brozzy nicht nur von den Jugendlichen. Auch die Familien erleben die Feierstunden oft sehr emotional. Ein Moment berührt ihn dabei immer wieder aufs Neue: Wenn Eltern während der Feier erkennen, dass ihre Kinder einen wichtigen Schritt in Richtung Erwachsensein machen. „Besonders die Väter überraschen mich“, erzählt er. „Da sitzen manchmal ganz taffe und ernste Männer im Publikum – und plötzlich können sie die Tränen nicht mehr zurückhalten.“ Diese Mischung aus Stolz, Freude und Wehmut mache die Jugendfeiern zu etwas Besonderem.
Dass er einmal als Beatboxer auf Bühnen stehen würde, begann mit einer Filmszene. Im Alter von zwölf oder dreizehn Jahren sah Nils Brzoska den Film „Men in Black 2“. Darin gab es eine kurze Beatbox-Sequenz, die ihn sofort faszinierte. Er begann zu üben, zunächst allein in seinem Kinderzimmer. In der Schule machte ihn das nicht unbedingt beliebt. „Ich war eher die Nervensäge“, erinnert er sich schmunzelnd. Ständig habe er neue Geräusche ausprobiert und Rhythmen geübt.
Den entscheidenden Impuls erhielt er im Schulchor. Obwohl er nach eigener Aussage nie besonders gut singen konnte, erkannte sein Chorleiter sein Talent für Rhythmus und Klang. Kurzerhand bat er den Pianisten, einen gemeinsamen ersten Auftritt mit Nils zu proben. So stand 2006 der 13-jährige Brozzy zum ersten Mal mit Beatboxing auf einer Bühne. Die Show dauerte nur zwei Minuten, doch für ihn war sofort klar: Das möchte ich weitermachen.
In den folgenden Jahren trainierte er vor allem allein. Erst mit 19 gründete er gemeinsam mit anderen Musikern die Band „Footprint Project“. Mehr als zehn Jahre lang spielte die Formation eine Mischung aus Jazz, Hip-Hop und weiteren Musikrichtungen. Mit bis zu zehn Musikerinnen und Musikern entwickelte sich die Band zu einem wichtigen Teil seiner künstlerischen Laufbahn. Parallel dazu verfeinerte er seine Fähigkeiten als Beatboxer kontinuierlich.
Auch beruflich dreht sich bei Nils Brzoska vieles um Klang und Sprache. Nach dem Abitur studierte er zunächst Linguistik und Philosophie, bevor er sich neu orientierte und Sound Design in Berlin studierte. Seit nunmehr zehn Jahren arbeitet er im Bereich Ton und Synchronisation. Heute ist er unter anderem als Übersetzer für Synchronfassungen tätig. Dank seiner fließenden Englisch- und Spanischkenntnisse bearbeitet er Texte für internationale Serienproduktionen und sorgt dafür, dass Dialoge auch in deutscher Sprache funktionieren.
Neben seinen Auftritten gibt Brozzy regelmäßig Workshops. Während dieses Interviews befindet er sich beispielsweise in Greifswald, wo er im Rahmen einer Projektwoche mit Grundschulkindern arbeitet. Über mehrere Tage lernen Schülerinnen und Schüler der zweiten bis vierten Klassen Beatboxing-Techniken und entwickeln eine eigene Show für das anschließende Schulfest.
Die Frage, ob man Beatboxing studieren könne, beantwortet er mit einem Augenzwinkern. Zwar gebe es inzwischen vereinzelt entsprechende Angebote, grundsätzlich sei Beatboxing jedoch eine Kunstform, die man sich hervorragend selbst beibringen könne. „Es gibt kein richtig oder falsch“, sagt er. Wichtig sei vor allem das Rhythmusgefühl. Klänge und Sounds könne jeder selbst entwickeln. Genau diese kreative Offenheit und die Möglichkeit, immer wieder neue Soundwelten zu erschaffen, faszinieren ihn bis heute.
Für die Humanistische JugendFeier Oberhavel ist Brozzy längst ein Highlight. Mit seiner Mischung aus Unterhaltung, Interaktion und musikalischem Können trägt er dazu bei, die Feierstunden lebendig und zeitgemäß zu gestalten. Wenn er auf der Bühne aus wenigen Lauten ein ganzes Schlagzeug entstehen lässt, staunen die Jugendlichen ebenso wie ihre Eltern. Und vielleicht sitzt dabei schon der nächste Beatboxer im Publikum, der nach der Feier den Mut fasst, es selbst einmal auszuprobieren.